Promotion – Was bedeutet promovieren wirklich? Erfahrungen, Dauer & Motivation
Shownotes
Was bedeutet es eigentlich zu promovieren – und lohnt sich der Doktortitel wirklich? In dieser Folge von „Studieren mit Gehalt“ dreht sich alles um das Thema Promotion.
Host Carsten Bethäuser spricht mit Dr. Marcel Reuter und Dr. Andreas Barz, die ihre Promotion gerade erst abgeschlossen haben. Gemeinsam geben sie einen ehrlichen Einblick in den Promotionsprozess – von der ersten Idee bis zur Verteidigung.
🎓 Darum geht es in dieser Folge:
- Was ist eine Promotion und wie unterscheidet sie sich vom Studium?
- Wie lange dauert eine Promotion wirklich? (3, 5 oder sogar 10 Jahre?)
- Promotion berufsbegleitend oder in Vollzeit – was sind die Unterschiede?
- Welche Motivation braucht man, um zu promovieren?
- Persönliche Zweifel, Rückschläge und mentale Herausforderungen
- Welche Eigenschaften sollte man für eine Promotion mitbringen?
- Wie findet man ein Thema und einen Doktorvater bzw. eine Doktormutter?
- Warum Durchhaltevermögen wichtiger ist als Genialität
🧠 Persönliche Einblicke & Erfahrungen: Marcel und Andreas berichten offen über ihre Höhen und Tiefen während der Promotion, über Selbstorganisation, wissenschaftliches Arbeiten und darüber, warum Leidenschaft für das Thema entscheidend ist.
🔍 Ausblick auf die nächsten Folgen:
In den kommenden Episoden sprechen wir im Detail über:
- den konkreten Ablauf ihrer Promotionen
- die Zusammenarbeit mit Betreuenden
- ihre Forschungsthemen zu Ausdauertraining und Post-Covid
👉 Diese Folge ist ideal für dich, wenn du:
- über eine Promotion nachdenkst
- dich für wissenschaftliches Arbeiten interessierst
- wissen willst, ob der Doktortitel zu dir passt
- eine ehrliche, realistische Einschätzung suchst
🎧 Jetzt reinhören und herausfinden, ob eine Promotion der richtige Weg für dich ist!
Transkript anzeigen
Speaker 2: Herzlich willkommen zu studieren mit Gehalt, dem Podcast der DFBG. Mein Name ist Carsten Bethäuser und heute habe ich das Thema Promotion für euch. Wir werden in den nächsten drei Podcast folgen, das Thema Promotion mit euch durchsprechen, zuerst heute in dieser Folge allgemein und später gehen wir noch weiter aufs Detail ein. Viel Spaß beim Zuhören. Bei mir zu Gast habe ich den Doktor Marcel Reuter und den Doktor Andreas Baatz. Herzlich willkommen. Hallo. Hallo. Ihr habt gerade erst promoviert. Das ist korrekt, die Verteidigung liegt jetzt ein paar Wochen zurück. Ich das war das erste Mal, dass ich jetzt als Doktor angekündigt wurde. Also es liegt wirklich erst ein paar Wochen zurück. hatte ich die Ehre. Ja, dann starten wir eigentlich mal in das Thema rein. Promotion. Wir wollen jetzt allen unseren Zuhörenden erstmal zeigen, was ist überhaupt Promotion, warum promoviert man. Wenn euch das Thema interessiert, dann hört heute gerne mal zu. Erstmal an euch die Frage, wann habt ihr überhaupt zum ersten Mal darüber nachgedacht zu promovieren? Also ich habe das erste Mal darüber nachgedacht, eigentlich schon während des Masterstudiums. Ich habe da als studentische Hilfskraft an dem Institut gearbeitet, wo viele Wissenschaftler waren, wo viele Doktoranden damals schon tätig waren. Ich fand das eigentlich damals schon sehr faszinierend. das gesehen, wie die sich in Themen eingearbeitet haben und da wirklich auch über Jahre hinweg dann eine tiefe Expertise entwickelt haben.
Speaker 1: Und da hab ich mir gedacht, Mensch, das ist irgendwie spannend, das würde mich auch mal interessieren. Da stand eigentlich das erste Mal schon der Wunsch, das auch mal zu machen. Ich glaube bei mir kam der Gedanke ein kleines bisschen später, als ich das Studium mit meinem Master abschlussabgeschlossen habe und dann in den ersten Jahren auch mich im Beruf gefestigt habe, etabliert habe und dann kam der Gedanke tatsächlich dann auch auf, auch zu promovieren. Ich würde jetzt sagen, die Promotion hat so vier, viereinhalb, fünf Jahre gedauert. Und der erste Gedanke war noch mal zwei, drei Jahre davor, wahrscheinlich immer mal wieder, bis man dann tatsächlich sagt, final so, jetzt gehe ich das Ganze an. Wie lange hat das bei dir gedauert, Andy? Bei mir hat es jetzt drei Jahre gedauert, was im Schnitt relativ zügig ist. Es lag aber einfach daran, dass die Projekte ganz unterschiedlicher und ich hatte relativ gute Voraussetzungen. Das Projekt ist relativ gut über die Bühne gegangen und von dem her waren da jetzt auch wenig Steine im Weg, die das Ganze herausgezögert hätten. Ich würde mal sagen, ich glaube so. Ich weiß nicht, ob du das genau weißt, Marcel, aber glaube, so drei bis fünf Jahre ist so der normale. Aber es kann durchaus mal länger dauern. Also es gibt da Leute, die promovieren zehn Jahre.
Speaker 2: Ich denke, man muss da eben schauen, macht man das berufsbekleidend oder macht man eine Promotion als eine alleinstellende Tätigkeit, dann geht sowas vielleicht auch mal schneller über die Bühne. ich glaube, mit drei bis fünf Jahren, zwischen drei und sechs Jahren, das stellt so den Durchschnitt da her. Also hat man unendlich Zeit eigentlich dafür? Könnte man auch sagen, ich promoviere 20 Jahre lang. glaube, eine Voraussetzung ist schon mal, dass der Doktorvater auch sozusagen die ganze Zeit an Bord bleibt. Wenn das jetzt ein älterer Professor ist, dann sind 20 Jahre, könnte schon bisschen eng werden. Also Spaß beiseite. glaube, hat schon, man hat da theoretisch glaube ich schon eine längere Zeit. Aber da kommt es wieder auf die Gegebenheiten an. Also Marcel und ich haben es ja im Wesentlichen nebenberuflich gemacht. Viele, promovieren, die machen das dann ja mehr oder weniger hauptberuflich. Also sind an einem Lehrstuhl angestellt. Und dann hat man ja auch einen Arbeitsvertrag, der auch an die Promotion geknüpft ist. Und der geht dann vielleicht über drei, vielleicht über fünf Jahre. Gibt es manchmal nur Verlängerungen. Aber dann muss man das schon in der Zeit über die Bühne bringen. Wenn man es jetzt nebenberuflich macht, gibt es mit Sicherheit ein Fälle, wo es mit zehn bis zwanzig Jahre dauert. Würde ich jetzt nicht ausschließen. Dazu kommt natürlich noch der Fakt, man ja auch Daten erhebt in der Promotionsarbeit. Also wenn man jetzt eine empirische Arbeit schreibt, beispielsweise. Und die Daten müssen ja auch publiziert veröffentlicht werden. Und je länger man braucht, desto älter werden die Daten. Und dann ist es natürlich immer die Frage, bekommt man die dann auch entsprechend noch so unter, wie man es eigentlich geplant hat, möglichst hoch? rangigen Journals beispielsweise. Und dieser Punkt kommt dann natürlich auch noch mit dazu. deswegen, wenn man eine Promotion beginnt, sollte man die nicht zwingend länger rauszögern, wie es denn notwendig ist. Ja, natürlich. Die Daten sollten natürlich am Ende der Promotion nicht schon wieder veraltet sein. Das ist auch klar. Hattet ihr in dieser ganzen Phase einen Moment, ihr gesagt habt, was mache ich hier überhaupt?
Speaker 2: Ich will nicht weitermachen oder zumindest mal den Gedanken gefasst, soll ich überhaupt weitermachen? Definitiv. Und nicht nur einmal. Also ich glaube, man kommt öfter bei so einer Arbeit auch an seine Grenzen. Organisatorisch, auch fachlich, inhaltlich Dinge, die man dann nochmal nacharbeiten muss. Ich denke, das ist etwas, wo man sich einfach drauf einstellen muss, wenn man den Weg gehen möchte, dass es auch Hürden gibt, die man überspringen muss. und die teilweise auch sehr hoch sind. Und man immer auch wieder an den Punkt kommt, wo man sich die Frage stellt, ja, bin ich tatsächlich noch auf dem richtigen Weg? Schaffe ich das eigentlich? Kann ich das umsetzen? An den Punkt kommt man immer mal wieder. Aber ich glaube, man darf dann das Große und Ganze nicht aus dem Auge verlieren. Und ich kann auch von mir sagen, ich habe natürlich auch viele Kollegen und gutes Umfeld mich herum, die mich auch da motivieren konnten, aber da dran zu bleiben. und man verliert selbst das Ziel auch nicht aus dem Auge und dann bleibt man auch dran. Aber der Punkt ist immer mal wieder da und den gilt es dann tatsächlich auch zu verarbeiten und nochmal nach hinten zu schieben. Ich denke auch, wie man es sagt, man kommt auf jeden Fall an seine Grenzen zwischendurch. Egal wie gut man jetzt vorbereitet ist und denkt, man hat jetzt alles geplant, da werden Dinge passieren, die man nicht geplant hat, die einen einfach an die Grenzen bringen. So eine Promotion ist schon oft eine ziemliche Arbeitsbelastung, da gehen viele Wochen hinten drauf. Das heißt, da kommt man organisatorisch, persönlich einfach manchmal an seine Grenzen. Bei mir war das auch gerade am Anfang natürlich, wenn man dann da direkt so ins reingeworfen wird und dann geht es direkt los, ist es schon dann eine Herausforderung. Wobei ich jetzt sagen muss, ich habe mir jetzt eigentlich nie sozusagen diese Sinnfrage gestellt, also was mache ich hier und geht es überhaupt weiter, weil ich das auch vielleicht vorher schon so bisschen beobachtet habe, was das für ein Prozess ist und mich schon darauf eingestellt habe, dass es auf jeden Fall ein schwieriger Prozess sein kann. Und da habe mir gedacht, ja okay, dann muss jetzt die Augen zu und durch sozusagen und...
Speaker 1: Wenn du dran bleibst und weitermachst, dann werden sich die Herausforderungen lösen. Ich glaube, das von der Einstellung her ganz wichtig ist, dass man einfach diesen Willen mitbringt, das durchzuziehen. Dann schafft man es auch. Dann dauert es vielleicht bisschen länger und vielleicht wird es ein bisschen schwieriger. Aber diese feste Absicht, das durchzuziehen, die braucht man meiner Meinung nach schon. Okay, das soll uns jetzt erst mal als Einleitung reichen. Ich würde gerne noch mal einen Schritt zurück machen und für alle, die sich für eine Promotion interessieren und vielleicht noch ganz am Anfang sind und sich noch damit auseinandersetzen, erstmal erklären, was bedeutet das überhaupt zu promovieren? Und wie unterscheidet sich das von dem Studium, das man vorher absolviert hat? Was würdet ihr sagen? Also ein Studium ist ja gekoppelt an ein festes Curriculum. Das heißt, man hat im Grunde eine Vorgabe, arbeitet mit seinen Kommilitonen, mit den Lehrkräften an bestimmten Zielen, arbeitet in kleinen Schritten, sich durch das Studium durch, auf modularer Ebene und schließt es ab. Bei einer Promotion ist es so, dass man ein Forschungsvorhaben hat, das man verfolgt. Man hat eine zentrale Forschungsfrage oder mehrere zentrale Forschungsfragen. Und es ist im Endeffekt ein großes Projekt, das über mehrere Jahre geht in der Regel, wie wir eben schon gesagt haben. Und die Ziele und die Herangehensweise, die spricht man natürlich mit Doktorvater, Doktormutter entsprechend ab, aber da ist man selbst dafür verantwortlich, dass man das Projekt vom Anfang an bis zum Ende selbst plant, organisiert, durchzieht und Ende dann die Arbeit schreibt und verteidigt. Das unterscheidet natürlich diese Selbstständigkeit und diese selbstständige Arbeit in dem Zusammenhang und unterscheidet sich natürlich schon von dem klassischen Studium.
Speaker 1: Ich glaube, was auch noch ein entscheidender Unterschied ist, ist, in der Promotion muss man heute wirklich auch das Forschungsfeld nochmal voranbringen sozusagen. Also man muss sich wirklich mit einer Fragestellung beschäftigen, mit der sich vorher noch keiner in der Form beschäftigt hat. Also das ist ein ganz entscheidender Punkt. Du musst einen Beitrag liefern, der das Forschungsfeld heute auch voranbringt. Das ist in der Realität sind es jetzt nicht so die riesengroßen Sprünge, weil ja viel einfach schon erforscht ist. Aber das sind dann oft Detailfragen, aber dann für so ein Forschungsfeld schon wichtig sind. Und das ist denke ich ein großer Unterschied. Bachelor- und Masterarbeit ist auch eine wissenschaftliche Arbeit. Da kann man auch Daten erheben. Aber da ist nicht der Anspruch da, dass man jetzt was macht, was vorher noch nie einer gemacht hat sozusagen. Wenn ihr euch nochmal in den Marcel und den Andreas vor der Promotion hinein versetzt, habt ihr da was unterschätzt? Würdet ihr sagen, dass ihr an einem gewissen Punkt vielleicht von vorneherein hättet anders an die Promotion herangehen müssen? Also ich denke, was sich so über die Jahre und in der Arbeit auch so herauskristallisiert hat, einfach, dass es extrem wichtig ist, dass man von vorneherein ausgefeilten Plan hat, wie das Ganze umgesetzt wird, wie das funktioniert, wie methodisch es ist, wie das Studiendesign aussieht, dass man wirklich am Anfang den Plan ganz klar vorgibt und definiert. Denn eine Promotion ist ein Prozess und innerhalb von dieser Arbeit, von diesem Promotionsprozess ist es so, dass man immer Dinge wieder anpassen muss. Und ich glaube, dass dieses Anpassen und Verändern und sich auf die Gegebenheiten einstellen, dass das viel Kraft und Ressourcen kostet und je besser man da vorbereitet ist, desto weniger Energie kosten diese kleinen Anpassungsprozesse, die man vornehmen muss. klar, wenn man dann so eine Arbeit finalisiert hat, da kommen einem schon Dinge, wo man dann sagt, das hätte ich am Anfang vielleicht doch noch mal ein bisschen anders machen können.
Speaker 2: auch in der Methodik vielleicht ein bisschen anders herangehen können. Aber ich glaube, dass das auch einfach ein Lernprozess ist, den man mitnimmt in so einer Promotionsarbeit. Und das soll ja auch genauso sein, dass man nachher schlauer ist wie vorher. Und ich denke, definitiv ist es der Fall. Wie ihr zwei an das Thema herangegangen seid, da sprechen wir noch in weiteren Folgen drüber. Das hier soll jetzt eine Folge sein, die geht allgemein die Promotion. soll erklären, was das ganze Thema ist und bedeutet und was es auch an Arbeit bedeutet. Aber wie ihr das im Detail gemacht habt, das klären wir in zwei weiteren Folgen mit euch nochmal alleine im Gespräch. Also wer sich dafür noch interessiert und gerne wissen möchte, wie der Marcel und der Andreas das genau gemacht haben, wie sie sich vorbereitet haben, wie sie mit ihren Doktorvätern zusammengekommen sind, dann hört doch gerne auch in die weiteren Folgen noch rein. Jetzt gehen wir allgemein weiter. Wir gehen mal auf die Motivation ein, überhaupt zu promovieren. Warum promoviert man überhaupt? Es gibt verschiedene Motive dafür. Karriere, persönliche Entwicklung. Welche Motivation war bei euch denn da dominant? Ich muss schon sagen, auch bisschen die persönliche Entwicklung im Vordergrund, wie vorhin schon eingangs beschrieben. Also ich fand das immer schon spannend zu sagen, man kann eine Wissenschaft selbst wirklich betreiben. Man kann da Experte auf einem Gebiet werden und sie wirklich ganz tief und gründlich mal mit einem Thema beschäftigen, über mehrere Jahre hinweg. Das fand ich immer schon irgendwie motivierend, vor allem weil ich Themen, mit denen wir uns jetzt beschäftigen, ist Sport und Training. für mich ein wichtiger Lebensinhalt sind und das ist dann auch schon eine Motivation von innen heraus. Natürlich, sind jetzt beide, ich denke da wird Marcel zustimmen, wir arbeiten an der Hochschule, da hat der Doktor Titel auch schon eine gewisse Wirkung, verleiht auch eine gewisse Glaubwürdigkeit. Also ich denke da spielen berufliche Aspekte schon eine Rolle. Das ist ja ganz unterschiedlich. Die Hörer, je nachdem aus welchem beruflichen Bereich die kommen, kann so eine Promotion
Speaker 1: auch mehr Vorteile bringen, teilweise bringen es aber auch nicht so viele Vorteile wie man vielleicht denkt. Das muss man sich heute angucken. ich glaube, wichtig ist schon auch, Forschung ist immer auch bisschen Idealismus gefordert und den muss man schon mitbringen. Also irgendwo wirklich eine persönliche Motivation von innen heraus ist glaube ich schon wichtig. Du musst natürlich für das Thema, das du bearbeitest, auch brennen, sonst werden die fünf Jahre zur Hölle. Also das ist ja ganz klar, dass du dich natürlich inhaltlich für ein Thema extrem auch interessierst und deswegen das auch erforschen willst und da neue Erkenntnisse zu neuen Erkenntnissen gelangen möchtest. Aber es spielen da auch immer zwei Dinge für mich eine Bedeutung. Das eine ist der berufliche Kontext, wie der Andreas das gerade gesagt hat. Aber auch die individuelle, persönliche Weiterentwicklung. Denn ich kann auch sagen, in der Zeit, in der man gearbeitet hat, sich auch individuell weiterentwickelt, fachlich, inhaltlich, aber auch organisatorisch, methodisch. Das sind Dinge, die einen nicht nur vorantreiben, sondern auch enttreiben. Ja, da kommen wir auch schon zu dem Thema. Bin ich überhaupt der Typ für eine Promotion? Soll ich das überhaupt machen? Passt das überhaupt zu mir selbst? Und da hast du gerade einen wichtigen Punkt genannt. Man muss schon dafür brennen, auch für das Thema, das man dann bearbeitet. Absolut. wenn man sich die, also die Sinnfrage darf man sich dann schon nicht mehr stellen. Ich glaube, man muss von der Persönlichkeit her auch so aufgestellt sein, dass man ein gewisses Durchhaltevermögen mitbringt. sich für ein Thema natürlich interessiert, aber das ist das A und O, sich selbst organisieren zu können, an dem Thema dran zu bleiben und auch damit klarzukommen, dass man mit manchen Themen morgens aufsteht, mittags zur Arbeit geht und abends damit noch mal ins Bett geht und überlegt, ja wann kann ich mich denn noch mal dransetzen und wie geht es weiter, was sind die nächsten Schritte. Ich denke, das ist ein entscheidender Punkt. Durchhaltevermögen ist meine persönliche
Speaker 2: Nummer eins, wenn ich von der Promotionsarbeit spreche. Das würde ich auf jeden Fall bestätigen. Ich glaube, bei uns hat er geholfen. Marcel hat ja Hintergrund im Leistungssport. Ich bin passionierter Ausdauersportler. Ich habe schon mal das Gefühl gehabt, so eine Promotion, ist schon wie eine ewig lange Vorbereitung für irgendeinen Wettkampf. jetzt in meinem Fall als Ausdauersportler, also Marathon oder so, da muss man schon einfach den Ausdauern, Durchhaltewillen mitbringen. Ich glaube auch, was die Leidenschaft betrifft. ist wichtig natürlich für das Thema einerseits, ich glaube wirklich für das wissenschaftliche Arbeiten. Also das muss einem schoner liegen. Viele Leute brennen für ein Thema, aber eher so aus der praktischen Seite. Also Forschung, Promotion ist wissenschaftliches Arbeiten, ist Wissenschaft betreiben und da muss man schon einerseits ein bisschen Verständnis dafür mitbringen. Das kann man auch im Rahmen der Promotion noch entwickeln, aber wirklich auch vielleicht eine Leidenschaft dafür haben. selbst Forschung zu betreiben und die Wissenschaft voran zu bringen. Habt ihr es in den drei bis fünf Jahren jetzt überhaupt zugelassen, was anderes zu denken? Habt ihr es geschafft, mal den Kopf frei zu machen und bisschen Abstand nochmal von der Promotion zu gewinnen? Absolut. Das ergibt sich eigentlich auch aus dem Arbeitsprozess raus. Man kann ja nicht permanent und immer und ständig an die Arbeit denken und die irgendwie voranbringen. Ich denke in dem Zusammenhang
Speaker 2: Ja, es ist wichtig, dass man sich auf jeden Fall auch mal eine Pause gönnt, dass man auch mal Abstand gewinnt, denn dann kommt man auch nochmal auf andere Ideen. Ich denke, ich kann da für mich sprechen, aber Andreas, glaube bei dir ist es ähnlich. Viele Ideen kommen, wenn du eigentlich auch gar nicht am Schreibtisch sitzt, sondern vielleicht was anderes machst. Ich mache gern mal eine bewegte Pause und gehe in den Wald eine Runde laufen. Dann, wenn ... wirklich mal tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes mal Luft braucht. Und dann kommen einem meistens auch nochmal ein paar neue Gedanken, ein paar gute Ideen. Und manchmal macht es auch Sinn, die Arbeit einfach auch mal für ein, zwei Wochen mal liegen zu lassen und dann nochmal zu starten, sich nochmal einzulesen. Und ich denke, das gehört zu dem Promotionsprozess dazu. Hat sich der Inhalt während eurer Arbeit nochmal geändert? dass ihr sagt, das eigentliche Thema, das verändern wir jetzt nochmal einen gewissen Prozentsatz und passen das an. Also das gab es jetzt bei mir schon, aber nicht grundlegend. Aber klar, dass man dann so feststellt, hier könnte man vielleicht noch mal bisschen in eine andere Richtung einschlagen oder auch einfach mit den Daten, die man heute erhoben hat, auch mal versuchen, andere Fragen zu beantworten. Also das ändert sich schon. Das ist schon im Fluss während der Promotion. Aber die grundlegende Ausrichtung, auch das Forschungsdesign, Ziel, man hat, das muss eigentlich schon am Anfang fest stehen, weil damit steht und fällt dann letztendlich was hinten rauskommt. Aber klar, beschäftigst dich intensiv mit der Thematik, du liest viel zu deinem Thema, du tauschst dich mit anderen Experten auf dem Gebiet aus, dann fände vielleicht auch mal interessante Fragen ein. Aber das Grundgerüst, glaube ich, muss am Anfang schon feststehen und das muss man danach verfolgen.
Speaker 2: Prima, gehen wir jetzt nochmal von dem Thema weg und reden nochmal über die Promotion und wie sie abläuft. Wenn jetzt heute jemand mit dem Gedankenspiel zu promovieren, was wäre dann der erste Schritt, den er unternehmen müsste, das Thema anzugehen? Wie wäre der zeitliche Ablauf dafür, die Promotion für sich zu strukturieren? Zunächst muss man sich natürlich erstmal inhaltlich Gedanken machen, in welchem Themenbereich man seine Promotion auch umsetzen möchte. Also das Thema, das kommt von einem wirklich selbst, das gibt nicht der Doktorvater vor oder so? Richtig. es ist immer natürlich auch die Frage, in welchem Rahmen man promoviert. Startet man direkt aus dem Studium raus oder ist man erstmal eine Zeit lang im Beruf und daraus ergeben sich vielleicht interessante Fragestellungen zu der Thematik, mit der man auch im beruflichen Kontext konfrontiert ist. Aber klar, man muss sich natürlich zunächst mal die Gedanken machen, in welche Richtung soll es denn gehen fachlich-inhaltlich, was interessiert mich und erst wenn einem das klar ist, dann geht man die nächsten Schritte an. Ich würde auch sagen, rein organisatorisch gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, die man einschlagen kann. Also grundsätzlich braucht man halt mal einen Betreuer, der einen betreut, einen Professor mit Promotionsrecht, der einen dann sozusagen unter die Fittiche nimmt, also Dr. Vater, Dr. Mutter. Und da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, denen in Kontakt zu treten. Also teilweise sind ja Promotionsstellen ausgeschrieben, das sind aber dann halt oft natürlich an den Arbeitsvertrag gekoppelt. Für manche ist das eine Möglichkeit, für manche würde es überhaupt nicht passen, wobei man hier ehrlich sagen muss, an so einer Stelle zu kommen ist auch relativ schwierig. Es gibt auch eine andere Möglichkeit, dass man einfach proaktiv, wie es auch Sej schon angedet hat, selbst schon eine Projektskizze zumindest entwickelt und dann an Professorinnen oder Professoren herantritt und das mal vorstellt. Und auch so haben manche dann
Speaker 1: Promotion durchgezogen. Die haben dann halt eine Professorin oder ein Professor gefunden, die die dann betreuen und dann kann man das dann nebenberuflich machen. Und eine weitere Möglichkeit, die wir genutzt haben, ist eben auch ein Graduiertenprogramm, wie es beispielsweise die Hochschule anbietet, das sozusagen eigentlich so die Vermittlungsstelle dann ist zwischen dem Doktoranden, der Interesse an dem Thema hat und dann einem geeigneten Betreuer oder einer geeigneten Betreuerin. Okay, ich sag mal, man sucht sich dann einen Professor aus, da ist man ja auch nicht an eine Hochschule gebunden. Also man muss ja einfach einen finden, der dazu berechtigt ist, eben Vater oder Mutter in dem Fall zu sein. Und was hat dann diese Person davon? Ja, es gibt hier natürlich schon ein bisschen Einschränkungen, weil auch die Professorinnen und Professoren, die müssen sich an das Promotionsrecht der jeweiligen Universität halten. Und da gibt es natürlich auch bestimmte Vorgaben, wer da promovieren kann und so weiter und so fort. Also diese Vorgaben, die sind, unterscheiden sich zwischen den Unis. Das muss man halt dann gucken, ob man die jetzt erfüllt. Bei den Doktorvätern und Doktormüttern gibt es, ich sagen mal, auch verschiedene Gründe, warum die das machen. Aber die sind natürlich in erster Linie auch Wissenschaftler. Und die haben da auch ein Interesse, wenn die jetzt jemanden der da eben einen Bereich erforscht und dann auch das publiziert, veröffentlicht, weil die dann natürlich auch namentlich genannt werden. Also die Universitätsprofessoren haben in der Regel schon auch das Interesse, dass diese Forschung, die man dann auch betreibt, letztendlich auch publiziert wird, weil das ist für die sozusagen ja auch so bisschen die Währung in der klassischen Forschung. wie viele Publikationen hat man, wie oft wird man zitiert und das ist für die eigentlich, würde ich mal sagen, so der primäre Antrieb, warum die dann auch Doktoranden betreuen.
Speaker 2: Genau, also das ist absolut korrekt und da hat jedes Institut natürlich auch einen gewissen Forschungsschwerpunkt, gewisse Fragestellungen da auch voranzutreiben. Und wenn man dann auf Doktor Vater, Doktor Mutter auch mit einer eigenen Idee zugeht, dann ist es natürlich auch möglich, dass die das in ihren Rahmen reinpressen. Und ja, gegebenenfalls ergeben sich daraus auch wieder neuere oder neue Forschungsansätze, Forschungsprojekte. das ist im Grunde ja eigentlich eine Win-win-Situation in dem Zusammenhang. Prima. Ich glaube, wir haben erst mal so ganz grob abgehandelt, was eine Promotion ist, was sie bedeutet und wie man da herangeht. Vielleicht als Abschlussfrage an euch nochmal. Würdet ihr heute nochmal dafür entscheiden, zu promovieren? Ihr euch auch. Ich antworte mit einem ehrlichen Ja und Ne. Spaß beiseite. Ich glaube, ich würde es nochmal machen mit dem Wissen, dass man es schafft und dass es tatsächlich auch umsetzbar ist. Aber es hat einen auf der Persönlichkeitsebene, also wirklich persönlich einfach auch weitergebracht, fachlich inhaltlich weitergebracht. Und deswegen war es für mich persönlich einfach auch ein Gewinn, das Ganze umzusetzen und auch die. diese Arbeit auf sich zu nehmen und auch auf das eine oder andere mal verzichten zu müssen. Aber die Antwort ist klar, ich würde es nochmal machen.
Speaker 1: würde mit einem einem ja antworten ich finde das war eine sehr spannende lehrreiche lebensphase die möchte ich auf keinen fall missen ich würde es auf jeden fall noch mal machen aber ich würde jetzt nicht noch einen zweiten doktatitel unbedingt mal es gibt ja auch also ich würde ich finde einmal im leben reicht auch aber ich möchte auf jeden fall nicht missen also ich finde das war eine tolle erfahrung Also man merkt eindeutig, es ist schon eine sehr anstrengende Zeit. Es ist eine herausfordernde Zeit und da muss man sich auch drüber im Klaren sein, dass wenn man sagt, man geht das an und zieht es durch, dass man da einige Einbußen auch machen muss im Leben, das dann auch abzuschließen. In den nächsten Folgen gehen wir jetzt nochmal auf eure Promotion im Detail ein. Vielleicht könnt ihr mir nochmal kurz sagen, dann muss ich das nämlich nicht ablesen, was denn euer Thema war. und einmal ganz kurz zusammenfassen, damit wir so eine kleine Vorschau für die nächste Folge haben. In meiner Forschungsarbeit habe ich mir die Trainingsintensität angeschaut und zwar im Rahmen eines Ausdauertrainings auf verschiedene Effekte der Ausdauerleistungsfähigkeit und verschiedenen Gesundheitsindikatoren. Ich habe eine Studie mit Post-Covid-Betroffenen durchgeführt und ich habe mir angeguckt, welche Effekte ein individualisiertes Training bei diesen Patienten auf ihre Symptome, vor allem auf die Fatigue hat, die bei Post-Covid häufig auftritt. Also zwei wirklich spannende und auch sehr aktuelle Themen, muss man sagen. ja, da dürft ihr euch jetzt in den nächsten zwei Folgen drauf freuen. Ich bedanke mich vielmals, dass ihr zwei heute bei mir wart und mir meine Fragen beantwortet habt. Und dann sage ich bis zum nächsten Mal. Andy und Marcel, vielen Dank, dass ihr da wart. Vielen Dank.
Speaker 1: Viel Spaß gemacht. Bis dann. Bis nächsten Folge und bis bald.
Neuer Kommentar